Lesung mit Thea Mantwill, Gescheiterte Sterne am 21. Mai, 19.30 Uhr
Wie wir in der nahen Zukunft leben, arbeiten, lieben und vor allem schlafen werden.
Ariane und Sam versuchen seit ihrer Kindheit gemeinsam, ihren Platz in einer unwirtlichen Stadt zu finden. Die Wohnungslosigkeit hat ein solches Ausmaß angenommen, dass viele Menschen – auch solche, die Arbeit haben – auf die stark begrenzten öffentlichen Schlafräume der Stadt zurückgreifen müssen.
Nur wenige können sich eine Übernachtung in privaten Schlafhotels leisten. Eigene Wohnungen sind der Elite vorbehalten. Da Sam auf der ID-Karte nicht zu erkennen ist, auf der obendrein nur zwei Geschlechter zur Verfügung stehen, sind den beiden fast alle Türen versperrt. Sie verbringen ihre Nächte also in Bussen und finden Schlaf, während sie durch die Stadt gefahren werden. Tagsüber führt Ariane ein von außen betrachtet normales Leben und hat einen Büro-Job, den sie zwar verabscheut, der den beiden aber immerhin ein geringes Maß an Sicherheit garantiert.
Eines Tages findet Sam eine Unterkunft bei Menschen, denen es gelingt, am System vorbeizuleben, und Ariane bleibt allein zurück. Sie beginnt, ihr spärliches Erspartes für temporäre Zimmer auszugeben, und lebt weit über ihren Verhältnissen, flüchtet sich von einer Übergangssituation in die nächste. Schließlich kündigt sie ihren Job, wird Kindermädchen bei einer reichen Familie, folgt auf ihrer Suche anderen in ihre Häuser und Betten und versucht einen Ort zu finden, an dem sie bleiben kann und will – getrieben von einem Hunger auf das Leben, der ihr Angst und Hoffnung zugleich macht.
Die Fachjury des Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendiums hat Thea Mantwill rein mit der Qualität ihrer schriftstellerischen Beiträge überzeugt. Über ›Glühfarbe‹ urteilt die Jury:
»Mantwill gelingt dabei das Kunststück, das phänotypische Aussehen dieser Science-Fiction-Welt komplett außen vor zu lassen, man erfährt nur etwas über deren Begleiterscheinungen, nämlich bittere Armut, Wohnungslosigkeit, Überlebenskampf. […] Mantwill schildert ihre Zukunftsvision ohne Bitternis, Tristesse oder Sentimentalität in einer klaren, präzisen Sprache. Umso eindringlicher wirkt so diese Dystopie und umso wahrscheinlicher.«
Vita
Thea Mantwill, geboren 1990 in Gräfelfing, studierte an den Kunstakademien Karlsruhe und Düsseldorf bei Keren Cytter, Franka Hörnschemeyer und als Meisterschülerin bei John Morgan. Sie arbeitet multimedial, in Installationen, Bildern, Worten und Musik, und verbindet Literatur mit Bildender Kunst. 2025 erschien ihr Debütroman ›Glühfarbe‹ im MÄRZ Verlag, der vorab mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium ausgezeichnet wurde. Mantwill lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Thea Mantwill: Gescheiterte Sterne. Roman, 188 Seiten, gebunden, 22– €, Korbinian Verlag.
Neben der Buchlesung wird sich noch der Berliner März und Korbinian Verlag vorstellen.
Wir freuen uns auf euch und Sie.
Ihre drei Frauen von Walthers Buchladen