Shida Bazyar, Die Lücken
Shida Bazyar, 1988 in Hermeskeil geboren, Tochter iranischer Eltern, die als linke politische Aktivisten wegen der islamischen Revolution unter Chomeini geflohen waren, steht mit ihrem dritten Roman „Die Lücken“ auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Auch ihr Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“war dieses Jahr in der ersten englischen Übersetzung auf der Shortlist zum Bookerpreis. Ihr zweiter Roman „Drei Kameradinnen“ kommt demnächst als Film ins Kino.
In ihrem neuen Buch beschreibt Bazyar die Geschichte einer deutschen Kleinstadt von der NS-Zeit bis zur Gegenwart. Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, orientiert sich aber an Hermeskeil, dem Geburtsort der Autorin.
90 Jahre deutsche Geschichte, die anhand der unterschiedlichsten Menschen erzählt wird. Die prägenden Figuren während der NS-Zeit, die aktiven Nazis sowie die Mitläufer und die ängstlich Angepassten werden ebenso lebendig beschrieben wie die vielen, die sich in der Nachkriegszeit an nichts erinnern wollen und am liebsten nicht mehr über das „dritte Reich“ sprechen. Das Schicksal jüdischer Familien steht in den historischen Erzählebenen im Mittelpunkt, während sich die Passagen aus der Jetztzeit auf zwei iranische Familien, Geflüchtete, die sich auf sehr unterschiedliche Weise in Deutschland einleben, konzentriert.
Flucht und Exil damals und heute, die Grauen der Naziherrschaft und ihre – auch psychischen – Folgen für die Heimesbacher – all das verknüpft Shida Bazyar auf literarisch faszinierende Art und Weise zu einem Heimatroman (oder einem Anti-Heimatroman?), der noch lange nachhallt.
Ein anspruchsvoller, sehr menschlicher und berührender Roman über die Lücken in den Erinnerungen einer Kleinstadt, über Freundschaft und Zeitgeschichte.
Eines der literarischen Highlights des Jahres!